Die eigene Gesundheit gezielt verbessern – wer möchte das nicht? In den letzten Jahren ist dabei die Mineralstoffanalyse immer beliebter geworden. Sie soll zeigen, welche Mineralstoffe und Spurenelemente im Körper fehlen oder vielleicht im Überschuss vorhanden sind. Die Idee dahinter klingt logisch: Wer weiß, was ihm/ihr fehlt, kann gezielt gegensteuern – sei es durch eine Ernährungsumstellung oder mit Nahrungsergänzungsmitteln. Doch ist so eine Analyse wirklich nötig, oder reicht eine ausgewogene Ernährung aus?
Was ist eine Mineralstoffanalyse?
Bei einer Mineralstoffanalyse wird der Gehalt verschiedener Mineralstoffe und Spurenelemente im Körper bestimmt. Die Untersuchung kann über eine Blut-, Urin- oder Haarprobe erfolgen und gibt Aufschluss über die Konzentrationen von Stoffen wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink oder Selen.
Die Idee dahinter: Wer genau weiß, welche Mineralstoffe fehlen oder im Überschuss vorhanden sind, kann gezielt dagegensteuern – sei es durch Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel. Aber so einfach ist das leider nicht immer. Die Messergebnisse können nämlich durch viele Faktoren beeinflusst werden, zum Beispiel durch die letzte Mahlzeit, den Flüssigkeitshaushalt oder sogar durch Stress.
Während eine Blutuntersuchung auch meist die aktuellen Werte im Kreislaufsystem widerspiegelt, zeigt eine Haaranalyse langfristige Tendenzen auf. Urinproben hingegen können eher nur kurzfristige Schwankungen abbilden. Je nach Analysemethode variieren daher die Aussagekraft enorm.
In Österreich hat auch man die Möglichkeit, einmal jährlich kostenlos eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch zu nehmen, bei der auf Wunsch auch Mineralstoffanalysen durchgeführt werden können, um frühzeitig Mängel oder Ungleichgewichte zu erkennen und gezielt dagegen vorzugehen.
Diese Werte solltest du im Überblick behalten
Ein gesunder Körper benötigt eine Vielzahl an Nährstoffen, um optimal zu funktionieren. Es gibt bestimmte Werte, die du regelmäßig im Blick behalten solltest, um mögliche Mängel frühzeitig zu erkennen und gezielt dagegen vorzugehen:
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Eisen: Eisen ist für die Bildung von roten Blutkörperchen und den Sauerstofftransport im Blut entscheidend. Ein Mangel kann zu Anämie führen und sich durch Müdigkeit und Schwäche äußern.
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Kupfer: Kupfer unterstützt zahlreiche enzymatische Prozesse und ist wichtig für das Immunsystem sowie den Eisenstoffwechsel. Ein Mangel kann die Haut und das Bindegewebe beeinträchtigen.
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Vitamin D: Vitamin D fördert die Kalziumaufnahme und ist wichtig für die Knochengesundheit und das Immunsystem. Ein Mangel wird oft mit Stimmungsschwankungen und erhöhter Infektanfälligkeit in Verbindung gebracht.
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Vitamin B6: Dieses Vitamin ist essenziell für den Stoffwechsel von Aminosäuren und die Bildung von Neurotransmittern. Ein Mangel kann sich negativ auf das Nervensystem und die Stimmung auswirken.
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Vitamin B12: Vitamin B12 ist für die Bildung von roten Blutkörperchen und die Funktion des Nervensystems unerlässlich. Ein Mangel kann zu Nervenschäden und Anämie führen.
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Folsäure: Folsäure ist besonders wichtig für schwangere Frauen, da sie die Entwicklung des Fötus unterstützt und das Risiko von Fehlbildungen verringern kann. Ein Mangel beeinträchtigt die Zellteilung und das Wachstum.
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Omega-3 Fettsäuren: Diese essentiellen Fettsäuren sind wichtig für die Gesundheit des Herzens, des Gehirns und der Augen. Sie wirken entzündungshemmend und unterstützen die kognitive Funktion.
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Aminosäuren (Tryptophan und Tyrosin): Tryptophan ist die Vorstufe von Serotonin, einem Neurotransmitter, der die Stimmung reguliert, während Tyrosin die Vorstufe von Dopamin ist, das mit Motivation und Belohnung in Verbindung steht. Ein Mangel kann zu Stimmungsschwankungen und erhöhter Stressanfälligkeit führen.
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Magnesium: Magnesium spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel, der Muskelfunktion und der Nervenübertragung. Ein Mangel kann zu Muskelkrämpfen, Schlafstörungen und Nervosität führen.
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Zink: Zink unterstützt das Immunsystem und die Zellteilung. Ein Mangel beeinträchtigt das Wachstum, die Hautgesundheit und die Wundheilung und kann zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen führen.
Wann ist eine Mineralstoffanalyse wirklich dringend nötig?
Es gibt Situationen, in denen eine solche Untersuchung wirklich sehr hilfreich sein kann:
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Bei anhaltender Müdigkeit oder Erschöpfung: Ein Mangel an Eisen oder Magnesium kann dazu führen, dass man sich ständig schlapp fühlt.
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Für Sportler:innen: Wer viel schwitzt, verliert auch Mineralstoffe – eine Analyse kann hier zeigen, ob Ergänzungen nötig sind.
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Während der Schwangerschaft und Stillzeit: In dieser Zeit hat der Körper einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen.
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Bei speziellen Ernährungsweisen: Wer sich vegan ernährt oder starke Unverträglichkeiten hat, könnte eher von Mängeln betroffen sein.
Gibt es auch Nachteile bei der Analyse?
Trotz der Vorteile ist eine Mineralstoffanalyse nicht immer sinnvoll, da die Werte oft nur eine Momentaufnahme sind – ein niedriger Magnesiumwert im Blut bedeutet nicht automatisch einen echten Mangel, weil viele Mineralstoffe in Zellen oder Knochen gespeichert werden und nicht ständig im Blut zirkulieren auch Haaranalysen sind umstritten, da sie durch Umweltfaktoren wie Shampoo oder Luftverschmutzung verfälscht werden können.
Außerdem besteht dann als Folge die Gefahr einer Überdosierung durch unkontrollierte Nahrungsergänzung, was Verdauungsprobleme, Nierensteine oder Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt verursachen kann. Und gleichzeitig nur teures Urin verursacht- wie man so schön sagt.
Brauche ich nun eine Mineralstoffanalyse oder nicht?
Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Wer sich gesund fühlt, sich ausgewogen ernährt und keine Beschwerden hat, braucht in der Regel keine Analyse. Der Körper kann sich viele Mineralstoffe aus der Nahrung holen und gut regulieren.
Wenn jedoch über längere Zeit Symptome wie Müdigkeit, häufige Infekte oder Muskelprobleme auftreten, kann eine gezielte Untersuchung sinnvoll sein. Wichtig ist, die Ergebnisse immer mit Ärzt:innen oder Ernährungsberater:innen zu besprechen, anstatt auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.
Nicht immer nötig, aber in bestimmten Fällen hilfreich
Eine Mineralstoffanalyse kann also ein nützliches Instrument sein – besonders dann, wenn gesundheitliche Beschwerden bestehen oder man zu einer Risikogruppe gehört. Wer sich jedoch gesund fühlt und abwechslungsreich isst, braucht in den meisten Fällen keine ständige Kontrolle.
Bevor man also Geld für eine umfangreiche Untersuchung ausgibt, sollte man sich fragen: Habe ich wirklich Beschwerden, die darauf hindeuten, dass mir etwas fehlt? Oder könnte eine bewusste Ernährungsumstellung bereits die beste Lösung sein? In vielen Fällen ist eine ausgewogene Ernährung immer noch der beste Weg, um den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen.