Stell dir vor, deine Stimmung ist wie ein kaputter Fahrstuhl: Mal saust er ohne Bremsen in den 100. Stock, mal stürzt er ins Kellerloch. So erleben viele Menschen mit bipolarer Störung ihr Leben – ein Wechselbad zwischen Extremen, das den Alltag oft zum Drahtseilakt macht:
Die manische Episode
In der manischen Phase fühlen sich Betroffene euphorisch und voller Energie. Alles scheint möglich zu sein, und sie haben das Gefühl, die Welt erobern zu können. Schlaf wird oft als überflüssig betrachtet, und viele berichten, dass sie tagelang wach bleiben.
Diese Phase kann auch von einer gesteigerten Libido begleitet sein. Die manische Episode ähnelt einem Drogenrausch, da das Gehirn mit einer Überdosis an Neurotransmittern wie Dopamin versorgt wird.
Doch diese Euphorie hat auch eine dunkle Seite. Betroffene verhalten sich oft unangemessen und impulsiv, was zu Konflikten und möglicherweise zum Verlust von Job oder Wohnung führen kann. In dieser Phase geben viele zu viel Geld aus und treffen Entscheidungen, die langfristige Konsequenzen haben. Beziehungen können darunter leiden oder sogar zerstört werden.
Psychotische Symptome
In einigen Fällen treten während der manischen Episode psychotische Symptome auf. Betroffene hören Stimmen oder sehen Dinge, die nicht existieren. Sie entwickeln paranoide Ideen und glauben, dass jemand sie verfolgt oder gegen sie konspiriert.
Eine systematische Review aus dem Jahr 2022 zeigt, dass lebenslange psychotische Symptome bei über der Hälfte der Patienten mit bipolarer Störung (BD) auftreten und sich negativ auf den Krankheitsverlauf und die Behandlung auswirken können. Interessanterweise sind Wahnvorstellungen häufiger als Halluzinationen in allen Phasen der BD und kommen besonders häufig bei manischen oder gemischten Episoden vor.
Diese Symptome lassen das Verhalten und Denken der Betroffenen für Außenstehende bizarr und seltsam erscheinen.
Die depressive Episode
Das andere Extrem der bipolaren Störung ist die depressive Episode. Die Welt erscheint grau und trostlos, Betroffene fühlen sich energielos und pessimistisch.
Diese Phase ähnelt der klassischen Depression, mit Symptomen wie Traurigkeit, sozialem Rückzug und Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen. Nach einer manischen Episode werden sich viele Betroffene der Konsequenzen ihres Handelns bewusst, was zu zusätzlichem Stress und Schuldgefühlen führen kann.
Der Wechsel zwischen den Episoden
Manische und depressive Episoden können nahtlos ineinander übergehen. Einige Betroffene erleben jahrelang keine Symptome zwischen den Episoden. Besonders in der manischen Phase ist das soziale Netzwerk wichtig, um frühzeitig Anzeichen einer neuen Episode zu erkennen und professionelle Hilfe zu suchen. Dies kann gefährliches Verhalten und negative Konsequenzen verhindern.
Behandlungsmöglichkeiten für bipolare Störung
Die Behandlung der bipolaren Störung umfasst eine Kombination aus Medikamenten und psychotherapeutischen Ansätzen. Medikamente wie Neuroleptika und Antidepressiva helfen, die Stimmung zu stabilisieren und Rückfälle zu verhindern. Psychotherapie kann Betroffenen Fähigkeiten vermitteln, um besser mit ihrer Erkrankung umzugehen:
1. Medikamente
Akute manische Phasen werden typischerweise mit Neuroleptika behandelt – antipsychotische Medikamente, die übermäßige Erregung und psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen reduzieren.
Bei depressiven Phasen kommen hingegen SSRIs oder SSNRIs zum Einsatz. Beide Medikamentengruppen sind Antidepressiva, die gezielt die Verfügbarkeit der Botenstoffe Serotonin bzw. Serotonin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen. Oft werden sie mit weiteren Wirkstoffen kombiniert.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 bleibt allerdings Lithium, ein lang bewährter Stimmungsstabilisierer zur Kontrolle bipolarer Episoden, das Mittel mit der besten wissenschaftlich belegten Wirksamkeit, um Rückfälle langfristig zu verhindern.
2. Psychotherapie
Verschiedene psychotherapeutische Ansätze haben sich bei der Behandlung der bipolaren Störung als wirksam erwiesen. Dazu gehören die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle und soziale Rhythmus-Therapie und die Psychoedukation in der Gruppe.
Diese Ansätze helfen Betroffenen, sich schneller von Episoden zu erholen und weniger Beeinträchtigungen im Beruf und in sozialen Beziehungen zu erleben. Innovative Ansätze liefert wieder die Wissenschaft. So schlägt eine Studie aus 2016 den Einsatz von experimenteller Medizin und genomischen Daten vor, um so neue Therapien zu entwickeln und zu validieren.
3. Rückfallprophylaxe
Ein wichtiges Ziel der Therapie ist die Rückfallprophylaxe. Psychoedukation (die Aufklärung über die Wirkungswege psychischer Krankheiten) hilft Patienten und ihren Angehörigen, die Entstehung der Erkrankung zu verstehen und Frühwarnsymptome zu erkennen.
Patienten lernen, besser mit Stress umzugehen und ein ausgeglicheneres Leben zu führen. Regelmäßige Einnahme der Medikation ist entscheidend, um Rückfälle zu verhindern.
4. Paar- und Familientherapie
Paar- und Familientherapie kann bei einer bipolaren Erkrankung sehr hilfreich sein. Konflikte in der Familie oder Partnerschaft können starke Stimmungsschwankungen auslösen und die Wahrscheinlichkeit für das Abrutschen in eine Manie oder Depression erhöhen. In der Therapie haben alle Familienmitglieder die Möglichkeit, ihre Sichtweisen und Probleme anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden.
5. Selbstmanagement und Unterstützung für bipolare Störung
Selbstmanagement spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Stimmung. Ein regelmäßiger Tagesablauf, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind entscheidend.
Stress sollte vermieden und gemanagt werden, und der Konsum von Alkohol, Drogen und Koffein sollte eingeschränkt werden.
Fazit: Mit bipolarer Störung leben
Die bipolare Störung ist eine komplexe und herausfordernde Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinflusst. Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Betroffene jedoch lernen, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.
Regelmäßige Medikation, Psychotherapie und Selbstmanagement sind entscheidend, um die Stimmung zu stabilisieren und Rückfälle zu verhindern. Unterstützung durch Fachkräfte und Selbsthilfegruppen kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
FAQs zur bipolaren Störung
Was sind die Hauptsymptome einer bipolaren Störung?
Die bipolare Störung ist gekennzeichnet durch extreme Stimmungsschwankungen, die zwischen manischen und depressiven Episoden wechseln. In der manischen Phase fühlen sich Betroffene euphorisch und voller Energie, während sie in der depressiven Phase energielos und pessimistisch sind.
Welche psychotischen Symptome können bei einer manischen Episode auftreten?
Während einer manischen Episode können psychotische Symptome wie das Hören von Stimmen, das Sehen von Dingen, die nicht existieren, sowie paranoide Ideen auftreten. Betroffene glauben möglicherweise, dass jemand sie verfolgt oder gegen sie konspiriert.
Wie werden manische und depressive Episoden behandelt?
Manische Episoden werden in der Regel mit Neuroleptika wie Haloperidol oder Risperidon behandelt, während depressive Episoden oft mit Antidepressiva wie SSNRI oder SSRI behandelt werden. Gemischte Episoden erfordern oft eine Kombination mehrerer Medikamente. Lithium bleibt das erfolgreichste Medikament, wenn um Rückfallprophylaxe geht.
Welche Rolle spielt die Psychotherapie bei der Behandlung der bipolaren Störung?
Psychotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und umfasst Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle und soziale Rhythmus-Therapie und die Psychoedukation in der Gruppe. Diese Therapien helfen Betroffenen, sich schneller von Episoden zu erholen und weniger Beeinträchtigungen im Beruf und in sozialen Beziehungen zu erleben.
Was ist Rückfallprophylaxe und warum ist sie wichtig?
Rückfallprophylaxe ist ein zentrales Ziel der Therapie und umfasst Maßnahmen zur Verhinderung von Rückfällen. Psychoedukation hilft Patienten und ihren Angehörigen, Frühwarnsymptome zu erkennen und besser mit Stress umzugehen. Regelmäßige Einnahme der Medikation ist entscheidend, um Rückfälle zu verhindern.
Wie kann Paar- und Familientherapie bei einer bipolaren Erkrankung helfen?
Paar- und Familientherapie kann helfen, Konflikte in der Familie oder Partnerschaft zu lösen, die starke Stimmungsschwankungen auslösen können. In der Therapie haben alle Familienmitglieder die Möglichkeit, ihre Sichtweisen und Probleme anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Welche Selbstmanagement-Strategien sind bei der bipolaren Störung hilfreich?
Selbstmanagement umfasst einen regelmäßigen Tagesablauf, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung. Stress sollte vermieden und gemanagt werden, und der Konsum von Alkohol, Drogen und Koffein sollte eingeschränkt werden.